Können Blinde bald wieder sehen?

Es klingt wie aus einem Science Fiction Film und ist doch wahr: Zwei Forscher aus den USA haben entschlüsselt, wie die Informationen vom Auge ins Gehirn übermittelt werden und damit einen großen Schritt hin zur Retina-Prothese für den Menschen gemacht. Mit der Entschlüsselung und mit den damit verbundenen Daten ist es Ihnen bereits gelungen blinden Mäusen das Augenlicht per moderner Prothese wieder zu geben. Künftig soll die Technik auch für den Menschen angepasst werden.

Retina-Prothese

An sich ist das Prinzip eines Auges ganz einfach: Licht aus der Umgebung fällt auf die Rezeptoren der Retina und diese Informationen werden von der Retina verarbeitet und als codierter Nervenimpuls direkt ins Gehirn geschickt. Dort werden aus dem empfangenen Impuls Bilder zusammengesetzt. Bei den meisten Fällen von Blindheit ist der Sehnerv intakt und könnte theoretisch Nervenimpulse an das Gehirn senden. Das Problem ist eher ein Defekt im Auge selbst, so dass das ankommende bzw. einfallende Licht nicht verarbeitet und codiert werden kann. Gelingt es nun aber das Licht per Prothese zu verarbeiten, so könnte man den Sehnerv direkt ansprechen und Blinde damit theoretisch das Augenlicht zurückgeben.

In der Theorie ist es jedoch wie so oft viel einfacher als in der Praxis. So müssen nicht nur eine Unzahl an Zellen stimuliert werden, man müsse auch mit dem richtigen Code stimulieren oder per Sehnerv würden keine brauchbaren Daten zur Erstellung eines Bildes im Gehirn landen. Sheila Nirenberg, Neurowissenschaftlerin an der Cornell-Universität in Ithaca, hat diesen Code zusammen mit ihrem Kollegen Chethan Pandarinath von der Stanford-Universität nun aber entschlüsselt. Der Code ist ein System aus mathematischen Gleichungen, der das Muster des Lichteinfalls codiert. Damit war es Ihnen dann möglich eine erste Retina-Prothese zu konstruieren.

Im Experiment konnte man nachweisen, dass die Prothesen gleiche Signale an das Gehirn senden wie es eine natürliche Retina machen würde. Das Problem bisher ist jedoch, dass die Prothesen nur eine geringe Auflösung haben und man damit Lichtpunkte oder Kanten mit starkem Kontrast erkennen kann. Die beiden Wissenschaftler hoffen jedoch bei der Übertragung der Technik auf den Menschen auch hochauflösende Prothesen herstellen zu können.
Bildquelle: Shawn Kelly/MIT

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Daniel Seidl ist selbständiger Web- und Softwarentwickler. Der Autor wurde am 19.03.1987 in Bamberg geboren und schloss dort im Jahre 2011 sein Studium der Angewandten Informatik ab.
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