Kommentar zum bestätigten Chlorgas-Einsatz in Syrien – und Europas Verantwortung

16. Mai 2018
Kommentar zum bestätigten Chlorgas-Einsatz in Syrien – und Europas Verantwortung

Berlin (ots) – Die Informationen der OPCW lagen auf einer semantischen Feinwaage. Inhalt: Am 4. Februar 2018 wurde im Al-Talil-Viertel der syrischen Ortschaft Sarakib Chlor durch mechanische Einwirkung aus Zylindern freigesetzt. Zwei hat man untersucht. Umweltproben belegten eine ungewöhnliche Anwesenheit von Chlor in der lokalen Umgebung. Mitglieder der Fact-Finding-Mission vernahmen Zeugen und bewerteten Symptome, mit denen Opfer in medizinische Einrichtungen kamen. Ergebnis: Nachdrücklich verurteilte die OPCW die »fortgesetzte Verwendung von giftigen Chemikalien als Waffe für jedermann«.

Wer ist »Jedermann«? Wer hat in Sarakib und anderenorts in Syrien fortgesetzt Menschen vergast? Die OPCW ist nur zur Spurensicherung da. Nun müssen Ermittler ran, Ankläger und Richter. Die Urteilsfindung muss maximal transparent sein. Denn: Auch wenn Chlorgas – laut Chemiewaffenkontrollgesetz – nicht auf der Liste der zu vernichtenden Schreckenswaffen steht, weil es wie schon im Ersten Weltkrieg »nur« ein industrieller Grundstoff ist, der alltäglich genutzt wird und leicht beschaffbar ist – der Einsatz als Waffe ist und bleibt ein Verbrechen! Das abschreckend gesühnt werden muss. Doch nicht durch verdachtsorientierte westliche Raketenangriffe. Die verstärken nur allgegenwärtiges Leid.

In ihrer Regierungserklärung sagte die Kanzlerin gestern: »Europa hat bisher nicht ausreichend zur Lösung des Konflikts beigetragen. Ich sage das auch selbstkritisch.« War’s das? Wie kläglich für ein Land, das einen Sitz im UN-Sicherheitsrat fordert.

Quellenangaben

Textquelle:neues deutschland, übermittelt durch news aktuell
Quelle:https://www.presseportal.de/pm/59019/3945626
Newsroom:neues deutschland
Pressekontakt:neues deutschland
Redaktion

Telefon: 030/2978-1722

Weitere interessante News

BSI-Präsident Schönbohm fordert Facebook zu mehr Datenschutz auf Düsseldorf (ots) - Der Präsident des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik, Arne Schönbohm, sieht Lücken im Datenschutz des sozialen Netzwerks Facebook. Die Schutzsysteme von Facebook seien zwar grundsätzlich gut, sagte Schönbohm der in Düsseldorf erscheinenden "Rheinischen Post" (Samstagausgabe). "Aber das Beispiel zeigt, dass der Schutz in der Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen noch höherer Qualität bedarf", fügte Schönbohm mit Blick auf den Datenskandal um das britische Un...
Fraktionsspitzen wollen Weg für Baukindergeld und Mietpreisbremse frei machen Düsseldorf (ots) - Die Fraktionsspitzen von Union und SPD wollen bei ihrer Klausurtagung Anfang kommender Woche endgültig den Weg für das staatliche Baukindergeld und die Verschärfung der Mietpreisbremse frei machen. Das erfuhr die in Düsseldorf erscheinende "Rheinische Post" (Samstagausgabe) aus Koalitions- und Regierungskreisen. Beide Themen sollen demnach in einem Paket vereinbart werden, das Verbesserungen sowohl für den Immobilienerwerb als auch für Mieter bringen soll. Der staatliche Zusch...
Russland vergiftet die Weltpolitik Düsseldorf (ots) - Wer hätte noch vor wenigen Jahren geglaubt, dass man wieder regelmäßig über Opfer von chemischen Kampfstoffen lesen würde? Doch nun ist das geächtete Teufelszeug wieder da, und verantwortlich dafür ist vor allem Russland. In Syrien hat es dafür gesorgt, dass Diktator Baschar al Assad seine Landsleute vergasen kann, ohne Konsequenzen fürchten zu müssen, obwohl ein UN-Rapport 2017 für den Großteil der bis dahin dokumentierten 85 C-Waffen-Einsätze eindeutig die syrische Armee ver...

Über Presseportal.de

presseportal.de - Die große Online-Datenbank für Presseinformationen in Text, Bild, Audio und Video. Pressemitteilungen und Pressematerial zu sehr vielen verschiedenen Themen. Ein Service von news aktuell aus der dpa-Firmengruppe.

© Copyright 2017. IT Journal.