Wie Berlin Investoren und Start-ups vertreibt

31. Oktober 2018
Wie Berlin Investoren und Start-ups vertreibt

Berlin galt jahrelang als eine Art Mekka für neue, junge Unternehmen. Aber jetzt sieht es so aus, als würde die Stimmung gefährlich kippen. Nachdem bekannt wurde, dass Google mit einem neuen Gründer-Projekt gescheitert ist, fürchten Experten, dass es zu einem langfristigen Abschwung kommt. Andere Regionen wie beispielsweise Nordrhein-Westfalen profitieren davon und freuen sich auf die neuen Ideen junger Unternehmer, die Berlin nicht haben will. Aber es gibt noch jemanden, der sich über den Abschwung in der Hauptstadt freut und das ist die Politik.

Ökonomie ohne Gewinne

Politiker sehen es nicht so gerne, wenn ein Unternehmen sich aus ihrer Stadt zurückzieht. Als der Weltkonzern Google aber letzte Woche bekannt gab, keinen Gründer-Campus im Berliner Stadtteil Kreuzwerk zu bauen, zeigte sich die Senatorin für Wirtschaft, Energie und Betriebe in Berlin, Ramona Pop (Grüne) hocherfreut. Die Senatorin will Unternehmen an den Standort Berlin locken, aber sie sollen eine Ökonomie ohne Gewinne anstreben. Gewinnorientierte Unternehmen wie Google sind da nicht willkommen. In der Start-up-Szene der Hauptstadt ist das mit Verwunderung aufgenommen worden. Die Absage von Google trifft Berlin zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt, denn die Stadt ist in einer schwierigen Phase.

Eine schlechte Stimmung

Viele Jahre lang genoss die Stadt an der Spree den Ruf eines Mekkas für Start-up-Unternehmen. Günstige Lebenshaltungskosten, eine stets kreative Atmosphäre und nicht zuletzt auch die Nähe zu großen, bedeutenden Wirtschaftsunternehmen lockte junge Gründer aus aller Welt nach Berlin. Noch vor drei Jahren flossen 2,1 Milliarden Euro als Kapital in die Start-ups. Damit konnte sich Berlin noch vor London platzieren, das nur 1,7 Milliarden Euro ausgab. Jedes Jahr stieg die Zahl der Firmenneugründungen und für die meist jungen Gründer bot Berlin den perfekten Nährboden. Es gab ausreichend bezahlbaren Wohnraum, viele junge Leute voller Ideen und auch die Aussicht auf gute Gewinne. Jetzt hat sich der Wind gedreht, die Stimmung ist gekippt und die Laune ist schlecht.

Es kracht auf allen Ebenen

Nicht nur bei der Gründerszene in Berlin ist die Stimmung sehr schlecht, auch die politische Stimmung könnte deutlich besser sein. Zwar kämpft die Stadt um ihre Top-Position als Standort für Start-ups, aber Nordrhein-Westfalen hat die Hauptstadt längst vom Thron gestoßen. Jetzt also noch die Absage von Google und das könnte eine endgültige Wende für die Stadt bedeuten. Diese Absage hat eine hohe Symbolkraft und zeigt, wie investorenfeindlich die Stimmung aktuell ist. Stattdessen kommt es zu zivilem Ungehorsam, zu Hausbesetzungen und zu Auseinandersetzungen mit der Polizei. Google sei einfach ein mieser Konzern, ließen die Gegner des Projekts in Kreuzberg wissen, der mit dem Militär und mit den Geheimdiensten zusammenarbeitet.

Es geht mittlerweile nicht mehr nur um Google. Die Aktivisten haben auch ein neues Hotel, das ebenfalls in Kreuzberg entstehen sollte, sowie ein anderes Zentrum für Gründer bekämpft. Sie fordern mit der Unterstützung einiger Politiker, generell Unternehmen zu enteignen. Google zog schließlich die Notbremse und trat den Rückzug an. Zwar hat der Konzern angekündigt, in den nächsten Jahren noch einmal über Berlin als Standort nachzudenken, aber so recht kann niemand mehr daran glauben, dass sich ein Konzern von einer solchen Größe so verprellen lässt. Die Aktivisten freuen sich, denn ihnen ist die Stimmung wichtiger als die Infrastruktur.

Bild: @ depositphotos.com / Olivier26

Ulrike Dietz

Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen.
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