EZB-Pläne zum digitalen Euro stoßen auf Kritik der Bankenverbände

Skyline von Frankfurt am Main symbolisiert den Fokus auf Banken und digitale Währungsentwicklung in Europa.

EZB-Pläne zum digitalen Euro stoßen auf Kritik der Bankenverbände

() – Die Pläne der Europäischen Zentralbank (EZB), den digitalen Euro ab 2029 einzuführen, geraten zunehmend unter Druck.

Zwar unterstützen deutsche Geschäftsbankenverbände das Projekt grundsätzlich – doch sie bezweifeln, dass die Notenbank die richtige Instanz ist, ein neues europäisches Zahlungssystem zu gestalten. In der „Welt“ werfen Vertreter des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) sowie des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) der EZB fehlende Marktnähe und mangelnde Erfahrung im Wettbewerb um kundenorientierte Zahlungsdienste vor.

Seit dem 1. November befindet sich der digitale Euro nach zweijähriger Vorbereitungsphase in einer neuen Entwicklungsstufe. Das Eurosystem arbeitet nun konkret auf eine mögliche Einführung in wenigen Jahren hin. Doch die Kritik verschärft sich. DSGV-Vorstand Joachim Schmalzl sagte, die Zentralbank überschätze ihre Fähigkeit, ein marktfähiges Produkt zu schaffen. „Wenn nun eine europäische Verwaltungsbehörde wie die EZB sagt: `Ich mache das selber und löse das für euch`, ist das aus unserer Sicht nicht die erfolgversprechendste Variante“, so Schmalzl. „Ihr fehlen Markterfahrung und die Verbindung zu den Kunden.“

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Die Verbände plädieren dafür, dass privatwirtschaftliche Akteure die operative Ausgestaltung übernehmen. Zahlungsverkehr sei „immer ein kooperatives Geschäft“, sagte BVR-Vorständin Tanja Müller-Ziegler. Nur integrative Ansätze unter Einbindung bestehender Bankeninfrastrukturen könnten Europas Abhängigkeit von US-Anbietern verringern. Ein digitaler Euro, der an Bankkonten angebunden sei, könne zur Souveränität beitragen – eine von der EZB selbst betriebene zweite Zahlungsinfrastruktur hingegen nicht.

Zugleich wenden sich die Verbände gegen Befürchtungen, der digitale Euro könnte einen schleichenden Rückzug des Bargelds auslösen. Schmalzl verweist auf das dicht ausgebaute Automaten- und Filialnetz von Sparkassen und Volksbanken: „Wir bekennen uns klar zum Bargeld.“ Die Wahlfreiheit der Verbraucher sei nicht bedroht.

Skeptisch zeigen sich beide Verbände hingegen gegenüber Kommunikationsstrategien der Befürworter. Kritiker des Projekts wurden auf dem Karrierenetzwerk LinkedIn pauschal als Gegner Europas dargestellt. Müller-Ziegler sagte dazu: „Was habe ich für Argumente, wenn ich `Behörde statt Markt` verteidigen soll?“

Ordnungspolitisch sei zudem ungeklärt, wie eine Institution, die gleichzeitig Aufseher über Banken und Zahlungssysteme ist, zugleich selbst zum Zahlungsanbieter werden könne. „Der Schiedsrichter sollte nicht selber mitspielen“, warnte Schmalzl. Die Verbände verlangen eine streng auf das begrenzte Rolle der EZB und eine klare demokratische Kontrolle möglicher Weiterentwicklungen.

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Ob der digitale Euro überhaupt ein konkretes Problem löst, bleibt nach Ansicht der Banken offen. „Im jetzigen Design: keins“, sagte Müller-Ziegler. Mehrwert biete einzig eine Offline-Variante, die Zahlungen auch bei Ausfall bestehender Systeme ermögliche.

Text-/Bildquelle: Übermittelt durch www.dts-nachrichtenagentur.de
Bildhinweis: Skyline von Frankfurt am Main

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Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Welche Personen werden in dem Beitrag erwähnt?

Joachim Schmalzl, Tanja Müller-Ziegler

Welche Institutionen oder Gruppen kommen im Text vor?

Europäische Zentralbank (EZB), Deutscher Sparkassen- und Giroverband (DSGV), Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR).

Zu welchem Zeitpunkt hat sich das Geschehen ereignet?

Das Datum oder der Zeitraum, in dem das beschriebene Ereignis stattfand, ist der 1. November (der Beginn einer neuen Entwicklungsstufe für den digitalen Euro).

An welchem Ort spielt die Handlung?

Frankfurt am Main

Wie lässt sich der Inhalt kurz zusammenfassen?

Die Pläne der Europäischen Zentralbank zur Einführung eines digitalen Euro ab 2029 geraten in die Kritik deutscher Bankenverbände, die der EZB fehlende Marktnähe und Erfahrung im Zahlungsverkehr vorwerfen und fordern, dass private Akteure die Ausgestaltung übernehmen, um die Wettbewerbsfähigkeit zu gewährleisten und die Abhängigkeit von US-Anbietern zu verringern.

Was war der Auslöser des Geschehens?

Der Hintergrund für die zunehmende Kritik an den Plänen der Europäischen Zentralbank (EZB) zur Einführung des digitalen Euro ab 2029 liegt in Bedenken der deutschen Bankenverbände bezüglich der Marktfähigkeit und Kundenorientierung eines von der EZB entwickelten Zahlungssystems. Diese Verbände argumentieren, dass die EZB nicht über die erforderliche Markterfahrung verfügt und plädieren dafür, die operative Ausgestaltung privaten Unternehmen zu überlassen. Zudem gibt es Sorgen um die mögliche Abhängigkeit von US-Anbietern sowie die Rolle der EZB als Aufseher und Anbieter zugleich.

Welche Reaktionen gab es von Seiten der Politik oder Öffentlichkeit?

Die Reaktionen auf die Pläne der EZB zur Einführung des digitalen Euro sind von Skepsis geprägt, insbesondere von deutschen Bankenverbänden, die der EZB mangelnde Marktnähe und Erfahrung vorwerfen. Sie fordern privatwirtschaftliche Akteure für die Umsetzung und betonen, dass die Rolle der EZB stark eingegrenzt und demokratisch kontrolliert werden sollte.

Welche Folgen oder Auswirkungen werden thematisiert?

Die Folgen oder Konsequenzen, die im Artikel erwähnt werden, sind: Zweifel an der Notwendigkeit der EZB als Instanz für ein neues Zahlungssystem, Kritik an fehlender Marktnähe und mangelnder Wettbewerbsfähigkeit der EZB, Forderung nach privatwirtschaftlicher Übernahme der operativen Ausgestaltung, Möglichkeit einer Abhängigkeit von US-Anbietern, Unsicherheit über die demokratische Kontrolle der EZB, Skepsis gegenüber Kommunikationsstrategien der Befürworter, unklare Ordnungspolitik bezüglich der Doppelrolle der EZB als Aufseher und Zahlungsanbieter, und der digitale Euro löst im jetzigen Design kein konkretes Problem.

Liegt bereits eine offizielle Reaktion oder Stellungnahme vor?

Ja, im Artikel werden Stellungnahmen von Vertretern der deutschen Bankenverbände zitiert. Joachim Schmalzl, Vorstandsmitglied des DSGV, äußert, dass die EZB ihre Fähigkeit überschätze, ein marktfähiges Produkt zu schaffen, und kritisiert, dass eine zentrale Stelle wie die EZB nicht die beste Lösung sei. Tanja Müller-Ziegler vom BVR betont, dass Zahlungsverkehr ein kooperatives Geschäft sei und private Akteure die operative Ausgestaltung übernehmen sollten, um Europas Abhängigkeit von US-Anbietern zu verringern.

Deutsche Textservice Nachrichtenagentur GmbH