Die Märkische Oderzeitung berichtet darüber, dass der viel kritisierte Brandenburger …

6. März 2018
Die Märkische Oderzeitung berichtet darüber, dass der viel kritisierte Brandenburger …

Frankfurt/Oder (ots) – Für den viel gescholtenen Landes-Slogan „Brandenburg. Es kann so einfach sein“ gibt es Zuspruch aus berufenem Munde. Mit Martin Pross ist ausgerechnet einer der Erfinder des bundesweit beliebtesten Landes-Spruchs voll des Lobes über den märkischen Satz. „Er beschreibt das Land durchaus treffend, ist zurückhaltend und enthält im Kern eine Wahrheit. Das ist für einen Landes-Spruch ein Pfund“, sagt er im Interview mit der Märkischen Oderzeitung. Pross, der in Berlin und Brandenburg wohnt, hat 1999 für Baden-Württemberg den Slogan „Wir können alles. Außer Hochdeutsch“ entwickelt. Dort habe es anfangs ebenfalls viel Gegenwind gegeben: „Wir als Agentur und das Gremium, das den Slogan abgesegnet hat, erlebten nach der Präsentation einen Sturm der Entrüstung“, erinnert sich Pross.

Hier das komplette Interview:

Herr Pross, heute machen Sie bei der Agentur Antoni Werbung für Mercedes und Katjes. Im Jahre 1999 haben Sie für Scholz & Friends den bis heute bundesweit beliebtesten Landes-Spruch erfunden. Wie war das damals? Fürchterlich. Wir als Agentur und das Gremium, das den Slogan abgesegnet hat, erlebten nach der Präsentation einen Sturm der Entrüstung. Es war der Aufmacher in der „Bild“-Zeitung, nach dem Motto: Was erlaubt ihr euch? Machen Sie Witze? Ihr Slogan gilt als Musterbeispiel, wenn es um gute Landes-Sprüche geht. Das Wort Shitstorm war damals noch nicht erfunden. Aber genau das war es. Und zwar in Orkanstärke. „Was fällt euch ein, mit Steuergeld die eigenen Landsleute zu beleidigen.“ Das war der Vorwurf. Dagegen ist das was gerade in Brandenburg passiert ein Lüftchen. Wie kamen die Kritiker darauf? Die Menschen im Land hatten die Botschaft bierernst genommen. Sie erklärten uns im feinsten Schwäbisch, dass sie sehr wohl Hochdeutsch können. Das ist natürlich schwierig. Wann drehte sich der Wind? Der Wendepunkt war, als Lob von außen kam. Eine Hamburger Tageszeitung schrieb, dass man sich eine solche Kampagne auch für die Hansestadt wünsche. Das Spiel mit Selbstdistanz und Selbstironie kam im Norden gut an. Und man hatte dies den strebsamen Schwaben nicht zugetraut. So begann es auch den Leuten in Baden-Württemberg zu gefallen. Selbstdistanz und Selbstironie erkenne ich übrigens auch im Brandenburg-Spruch. Er ist, im Gegensatz zu handelsüblichen Landes-Slogan, kein leeres Versprechen. Er beschreibt das Land durchaus treffend, ist zurückhaltend und enthält im Kern eine Wahrheit. Das ist für einen Landesspruch ein Pfund. Aber, wie Sie wissen, kommt er im Land bislang denkbar schlecht an. Das sind die üblichen Geburtswehen. Der Satz wird natürlich davon leben, wie man ihn jetzt überzeugend mit Leben füllt. Was kann hier so einfach sein? Was sagt Ihnen der Spruch? Ich habe seit einigen Jahren selber ein kleines Häuschen an der Oder bei Angermünde und genieße die weite unverbaute Landschaft und die freundlichen und unkomplizierten Menschen. Brandenburg ist da sehr besonders, und dazu passt eben der Spruch. Er trifft durchaus die Seele des Landes. Wenn ich in mich hineinhorche, fühlt er sich richtig an. Viele stört, dass der Spruch sich wenig nach innen wendet, also an die Brandenburger. Ja, da ist was dran. Er richtet sich mehr nach außen, was für Werbung aber nicht falsch ist. Man möchte ja auch Menschen erreichen, die sich überlegen nach Brandenburg zu ziehen. Hinzu kommt: Gute Werbung nach außen und zugleich Bestätigung nach innen ist oft schwierig. Es gibt unterschiedliche Gefühlszustände, je nachdem ob die Menschen im Land leben oder außerhalb. Wie gesagt, das war anfangs bei der Baden-Württemberg-Kampagne ähnlich problematisch. Schön und gut, aber die Brandenburger sollten doch mit ihrem Spruch auch etwas anfangen können. Auf jeden Fall. Da muss man noch um Geduld bitten. Dennoch wird der Spruch am Ende nicht jedem Einzelschicksal im Land gerecht werden können. Selbst den inoffiziellen Bayern-Slogan „Mia san mia“ würden im Freistaat längst nicht alle unterschreiben. Ich bleibe dabei: Für ein Flächenland, in dem viel Platz ist und man sich in vielen Bereichen besser als anderswo selbst verwirklichen kann, ist das ein guter Spruch. Und was wäre denn die Alternative? Die meisten Landes-Sprüche sind Kreuzungen aus den Begriffen „Wir“, „hier“ und „Zukunft“. Leeren Versprechen, über die sich zwar keiner aufregt, die aber auch keine Sau interessieren.

Quellenangaben

Textquelle:Märkische Oderzeitung, übermittelt durch news aktuell
Quelle:https://www.presseportal.de/pm/55506/3884413
Newsroom:Märkische Oderzeitung
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