Gladbecker Geiseldrama im Film Die Wirklichkeit tut weh Lena Vanessa Niewald

6. März 2018
Gladbecker Geiseldrama im Film
Die Wirklichkeit tut weh 
Lena Vanessa Niewald

Bielefeld (ots) – Es war mehr als skurril und bizarr: Millionen Zuschauer verfolgen 1988 teilweise live, wie zwei Kriminelle nach einem Banküberfall in Gladbeck mit Geiseln quer durchs Land fahren. Immer im Schlepptau: Polizei, Presse und Schaulustige. Mit Pistolen an der Schläfe geben die Geiseln Interviews, die Täter Degowski und Rösner suchen den Kontakt zu den Kameras. Der Zuschauer bekommt alles mit. 54 Stunden sind die Geiselnehmer unterwegs und somit auch immer wieder auf der Mattscheibe präsent. Jetzt arbeitet die ARD das Drama von Gladbeck in einem Spielfilm auf. Aber braucht es einen solchen Film überhaupt noch? Die Nation war doch quasi live dabei. Muss so ein dunkles Kapitel der deutschen Nachkriegsgeschichte wieder aufgerollt werden? Ja, muss es. Fast mag man sagen, leider. Denn in Zeiten, in denen Gaffer immer wieder mit härteren Gesetzen in die Schranken gewiesen werden müssen, trifft der Spielfilm genau ins Schwarze. Er zeigt, wohin Voyeurismus führt, wie schnell sich der Mensch zu einer animalischen Kreatur entwickeln kann. Das ist hart, aber die Wirklichkeit tut manchmal weh. Und das muss sie auch. Nur so können wir aus ihr etwas lernen. Wir müssen auf brutale Art erfahren, wie der Sensationsdrang des Menschen ausarten kann. Ein Spielfilm wie „Gladbeck“ hilft, das eigene Handeln zu reflektieren. Ein Kriminalfall darf nie wieder ein solches Ausmaß einnehmen. Wir haben schon genug Reality Soaps im Fernsehen. Die reichen aus.

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