Religiös motivierte Gewalt in Indien nicht schönreden

23. März 2018
Religiös motivierte Gewalt in Indien nicht schönreden

Kelkheim (ots) –

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ist bekannt für sein diplomatisches Geschick. Damit lassen sich Spannungen abbauen und Konflikte lösen. Bei seinem aktuellen Besuch in Indien scheint Steinmeier indes Konflikte und Missstände auszublenden.

Während einer Diskussion mit Studenten der Universität Varanasi am 22. März zum Thema religiöse Konflikte sagte Steinmeier, dass es der indischen Gesellschaft „vergleichsweise gut“ gelinge, eine Vielzahl von Religionen und Kulturen einzugliedern.

Ein anderes Bild ergeben die Zahlen, die dem christlichen Hilfswerk Open Doors vorliegen. Open Doors setzt sich weltweit für verfolgte Christen ein und berichtet von einem sprunghaften Anstieg der Gewalt gegen Christen in Indien im Jahr 2017. Etwa 45 Millionen der 64 Millionen in Indien lebenden Christen sind Verfolgung ausgesetzt. Maßgeblich verantwortlich dafür ist die Bharatiya Janata Partei (BJP) von Premierminister Modi. Sie treibt einen nationalistisch geprägten Hinduismus voran, den auch extremistische Gruppierungen wie Dharm Jagran Samiti (DJS) propagieren. Die DJS initiiert immer wieder öffentliche Zwangs(rück)bekehrungen zum Hinduismus. Einer ihrer führenden Köpfe, Rajeshwar Singh, verkündete 2014, Indien werde bis zum Jahr 2021 frei sein von Christen und Muslimen. Modi unterstützt die Hinduisierung seines Landes und die Hindutva-Ideologie, nach der jeder Inder ein Hindu sein muss. Dass Christen in Indien verfolgt werden, leugnet er.

Übergriffe gegen Christen haben unter Regierung Modi ständig zugenommen

2014 wurden 147 Übergriffe von Open Doors registriert, 2016 lag die Zahl bereits bei 443 und 2017 bei mehr als 600. Dazu zählen massive Misshandlungen von Pastoren, Überfälle auf Gottesdienste, Vergewaltigungen christlicher Mädchen oder Nonnen sowie Zerstörungen von Kirchen. Christliche Leiter und Aktivitäten werden überwacht, Christen hinduistischer Herkunft werden oft schwer bedrängt, zusammengeschlagen oder sogar getötet. In Massenveranstaltungen von Hindunationalisten werden besonders die ehemals kastenlosen Dalits mit Gewalt dazu gezwungen, ihren angenommenen christlichen Glauben zu widerrufen. Auf dem aktuellen Weltverfolgungsindex, der Rangliste der 50 Länder, in denen Christen am stärksten verfolgt werden, verschlechterte sich Indien auf Rang 11 (2017: Rang 15) und steht damit hinsichtlich Christenverfolgung so schlecht wie nie zuvor.

Markus Rode, geschäftsführender Vorstandsvorsitzender von Open Doors Deutschland, bittet die Spitzenpolitiker aller Parteien, bei der Vorbereitung ihrer Auslandsreisen das Thema Religionsfreiheit angemessen zu berücksichtigen. Er sagt: „Als ehemaligem Außenminister sollte dem Bundespräsidenten bekannt sein, dass Premierminister Modi und seine Anhänger Minderheiten, die keine Hindus sind, massiv verfolgen. Es ist unsere Hoffnung, dass Herr Steinmeier seinen Einfluss geltend macht und noch vor Beendigung seiner Reise auf die zunehmende Verfolgung von Christen und anderen Minderheiten in Indien hinweist.“

Quellenangaben

Bildquelle:obs/Open Doors Deutschland e.V.
Textquelle:Open Doors Deutschland e.V., übermittelt durch news aktuell
Quelle:https://www.presseportal.de/pm/78456/3899172
Newsroom:Open Doors Deutschland e.V.
Pressekontakt:Für Fotos und Interviews mit Markus Rode wenden Sie sich bitte an
unser Pressebüro.
Kontakt Presse
Open Doors Deutschland e.V.
Postfach 11 42
D-65761 Kelkheim
T 06195 6767-180
E pressebuero@opendoors.de
I www.opendoors.de

Weitere interessante News

Ab sofort im Einsatz: Der „Easy Bus“ für mehr Mobilität im Alter Idstein (ots) - IVECO Bus hat gemeinsam mit DB Regio Bus und der Hochschule Fresenius einen neuen Linienbus konzipiert, mit dem ab sofort ältere oder in der Mobilität eingeschränkte Personen sicherer ihre Wegstrecken zurücklegen können. Das erste Fahrzeug ist unter dem Namen "Easy Bus" bereits fertiggestellt und für DB Regio Bus im Raum Aschaffenburg im Einsatz. Die neue Innenraumkonzeption des Busses geht auf Forschungsergebnisse der Hochschule Fresenius zurück. "Wir haben erst Ende Oktober des...
Kommentar Ein heikler Fall für deutsche Gerichte = Von Martin Kessler Düsseldorf (ots) - Es wird langsam eng für Carles Puigdemont, den in Deutschland inhaftierten früheren Regierungschef der Region Katalonien. Die Generalstaatsanwaltschaft des Landes Schleswig-Holstein hat das Auslieferungsersuchen Spaniens für rechtens erklärt und will nun beim Oberlandesgericht (OLG) Schleswig die Auslieferung erwirken. Damit hat eine wichtige juristische Instanz der Bundesrepublik Hochverrat im deutschen Recht mit Rebellion im spanischen Recht gleichgesetzt. Jetzt muss das Ger...
Menschenrechtler alarmiert über chaotische Zustände in Haftanstalten Berlin (ots) - Kirgistan ist zwar den wichtigsten Menschenrechtsabkommen beigetreten und hat die Todesstrafe abgeschafft, doch in der Praxis wird die Durchsetzung der Menschenrechte immer noch erschwert. Nach Informationen des Auswärtigen Amtes in Berlin mangelt es immer noch an einer rechtsstaatlichen Tradition und fehlt es an der Unabhängigkeit der kirgisischen Justiz. Insbesondere in den Haftanstalten bestehen große Probleme. Eines der prominentesten Beispiele für die unhaltbaren Zustände in ...

Über Presseportal.de

presseportal.de - Die große Online-Datenbank für Presseinformationen in Text, Bild, Audio und Video. Pressemitteilungen und Pressematerial zu sehr vielen verschiedenen Themen. Ein Service von news aktuell aus der dpa-Firmengruppe.

© Copyright 2017. IT Journal.