Neues Spiel für Carlyle, Kommentar zu Akzo Nobel von Sabine Wadewitz

27. März 2018
Neues Spiel für Carlyle,
Kommentar zu Akzo Nobel von Sabine Wadewitz

Frankfurt (ots) – In dem Deal dürfen sich alle Beteiligten auf die Schulter klopfen. Der niederländische Farbenkonzern Akzo Nobel hat bei der Abspaltung der Spezialchemie die gewünschte Bewertung von 10 Mrd. Euro erreicht. Die Aktionäre sehen einer üppigen Ausschüttung entgegen. Und der Finanzinvestor Carlyle gewinnt mit dem mächtigen Staatsfonds GIC aus Singapur im Schlepptau ein ertragsstarkes Asset mit Entwicklungschancen.

Die Transaktion ist für den Lackspezialisten aus Amsterdam ein Zwischenstopp nach einem Jahr der Umbrüche. Das Drama nahm seinen Lauf, als der US-Wettbewerber PPG unerwünscht eine Offerte für den Konkurrenten aus dem Hut zauberte, die zwar bei Aktionären, nicht aber im Management auf Wohlwollen stieß. Zur Abwehr einer feindlichen Übernahme und zur Zähmung des den Deal unterstützenden Hedgefonds Elliott wurde die Aufspaltung des Unternehmens auf den Weg gebracht, womit sich Akzo auf das Geschäft mit Farben und Oberflächenbeschichtungen konzentriert, das zwei Drittel des Umsatzes beisteuert.

Mit dem Verkauf der Spezialchemie treiben die Niederländer die Fokussierung voran, nachdem sie sich vor gut zehn Jahren vom Pharmageschäft getrennt haben und sich wie viele Wettbewerber aus der Diversifizierung verabschiedeten. Auch hier reifte die Erkenntnis, dass man im Gemischtwarenladen nur erfolgreich ist, wenn man in allen Sparten auftrumpfen kann.

Den Erlös aus dem Pharmaverkauf hatte Akzo damals eingesetzt, um sich den britischen Rivalen ICI einzuverleiben und global in die Farben-Spitzengruppe aufzurücken. Diesmal wird der größte Teil den Anteilseignern zugutekommen. Doch das Akzo-Management muss weiterhin mit Akquisitionen auf die Tube drücken, wird doch der Konzern sonst nach der Aufspaltung zu einem noch attraktiveren Übernahmeziel.

Dass man einem größeren Merger nicht abgeneigt ist, demonstrierte der Konzern, als er vor einigen Monaten eine Fusion mit dem US-Farbenkonkurrenten Axalta – in alten Zeiten die Hoechst-Tochter Herberts – auslotete, aber schließlich wieder verwarf. Der Druck der Aktionäre auf Performance wird mit dem Verkauf der Spezialchemie nicht abflauen.

Axalta, und hier schließt sich der Kreis, war bezeichnenderweise ein Meisterstück von Carlyle, ein Investment von der Übernahme aus dem DuPont-Konzern bis zum Exit an der Börse mit einer der höchsten Renditen für die Private-Equity-Gesellschaft. Dies sollte Vorlage für das neue Spiel in der Chemie sein.

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Textquelle:Börsen-Zeitung, übermittelt durch news aktuell
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