Wehrbeauftragter fordert Traditionswechsel mit Augenmaß

28. März 2018
Wehrbeauftragter fordert Traditionswechsel mit Augenmaß

Osnabrück (ots) – Wehrbeauftragter fordert Traditionswechsel mit Augenmaß

Bartels zu Kasernen-Umbenennung: Es gibt immer Grenzfälle und gebrochene Biographien

Osnabrück. Beim Traditionswechsel in der Bundeswehr hat der Wehrbeauftragte des Bundestages, Hans-Peter Bartels, Augenmaß angemahnt. In einem Gespräch mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Donnerstag) sagte der SPD-Politiker: „Es geht nicht darum, alle Erinnerungsstücke an frühere Zeiten und ganze Sammlungen wegzuräumen.“ Es sei wichtiger, historische Gegenstände einzuordnen und für das Lernen zu nutzen, ohne sich in dessen geistige Tradition zu stellen.

Auch die Umbenennung von Kasernen muss nach Ansicht des Wehrbeauftragten maßvoll vorgenommen werden. Bartels hält es für richtig, dass die Generalfeldmarschall-Rommel-Kaserne im nordrhein-westfälischen Augustdorf ihren Name behalten soll. Der SPD-Politiker sagte: „Es gibt immer Grenzfälle, wo die historische Forschung nicht absolut eindeutig ist.“ Der Wehrmachtsoffizier Rommel, der im Zweiten Weltkrieg mit seinem Einsatz in Afrika einen Namen als „Wüstenfuchs“ machte, habe wohl auch eine Rolle im Widerstand gehabt. „Die deutsche Geschichte ist voller Menschen mit gebrochenen Biographien“, sagte Bartels. Das gelte etwa auch für NVA-Soldaten, die in die Bundeswehr eingetreten seien.

Grundsätzlich begrüßte Bartels den Traditionserlass. „Er macht klar, dass Wehrmachts-Feldherren des Zweiten Weltkrieges wie Dietl oder Konrad keine Vorbilder und Namensgeber mehr sein dürfen. Diese Rolle sollten moderne Helden einnehmen, zum Beispiel auch Soldaten, die besondere Tapferkeit in Afghanistan gezeigt haben.“ Vorbilder gebe es genug: „Der letzte Traditionserlass ist von 1982. Seitdem ist so viel passiert.“ Bartels geht davon aus, dass „allenfalls eine Handvoll Kasernen“ noch Diskussionen um eine mögliche Umbenennung führen: „Es geht nur noch um fünf bis sechs Namen.“ Dazu zählt das Verteidigungsministerium etwa die Lent-Kaserne in Rotenburg (Wümme), die nach dem von der Wehrmacht gefeierten Weltkriegsflieger Helmut Lent benannt wurde, oder die Feldwebel-Lilienthal-Kaserne in Delmenhorst, die nach dem Panzerjäger Diedrich Lilienthal benannt ist.

Quellenangaben

Textquelle:Neue Osnabrücker Zeitung, übermittelt durch news aktuell
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