Neue Chancen für Korea

28. März 2018
Neue Chancen für Korea

Berlin (ots) – Kurzfassung: Die Ankündigungen der Gipfeltreffen zwischen Nordkorea und Südkorea sowie den USA klingen spektakulär. Die Gespräche bergen Chancen. Wird jedoch kein Durchbruch erzielt, ist die Enttäuschung groß. Es käme zu einer Verhärtung, die sehr wahrscheinlich in eine neue Eskalation münden würde. Das ist das Risiko an der Sache.

Der komplette Leitartikel: Es ist zunächst einmal eine gute Nachricht: In den Atom-Konflikt mit Nordkorea kommt Bewegung. Ein diplomatisches Räderwerk setzt sich in Gang, das durch frische Energie aus Pjöngjang, Seoul, Peking und Washington angetrieben wird. Bei seinem überraschenden Besuch in Peking hat Nordkoreas Diktator Kim Jong-un die Bereitschaft zur Entnuklearisierung seines Landes unterstrichen, falls die USA und Südkorea „synchrone Schritte“ zeigen. Die neue Gesprächs-Dynamik hat einen einfachen Grund: Alle maßgeblichen Akteure sind an einer Entschärfung der Lage interessiert. Nordkorea, steinzeitsozialistisches Überbleibsel und Paria der internationalen Politik, will raus aus der Isolation. Kim verfolgt seit seiner Amtsübernahme im Jahr 2011 zwei strategische Ziele: Er verlangt eine Überlebensgarantie für sein Regime in Nordkorea und Verhandlungen mit Amerika auf Augenhöhe. Das Atom- und Raketenprogramm ist für ihn der Hebel, beides zu erreichen. Die geplanten Gipfeltreffen mit den Präsidenten Südkoreas und der USA betrachtet Kim als Belohnung für seine Bemühungen. Zudem hofft er auf ein Ende der Sanktionen. Auch China spekuliert auf Vorteile durch Entspannung. Das Riesenreich, der einzige Verbündete von Nordkorea, sah sich durch Kims Extratouren übergangen. Zum einen missfiel den Chinesen der nukleare Aufrüstungskurs des kleinen Nachbarn. Zum anderen waren sie bei Pjöngjangs Charme-Offensiven Richtung Seoul und Washington nicht eingeweiht. Mit Kims Aufwartung in Peking hat China auch ganz offiziell wieder seine traditionelle Rolle als Schutzmacht inne. Mehr Gewicht in der Korea-Krise könnte sich an anderer Stelle als nützlich erweisen: Peking wird versuchen, den USA Zugeständnisse im Handels-Clinch abzuringen. US-Präsident Donald Trump wiederum würde gern als der große Staatsmann in die Geschichte eingehen, dem es gelungen ist, den Atom-Konflikt mit Nordkorea friedlich zu lösen. Ein Unterfangen, an dem sich alle Vorgänger Trumps die Zähne ausgebissen haben. In Washington verbreitet man bereits fleißig die Botschaft, dass Kim nur infolge des „maximalen Drucks“ der USA die Samthandschuhe herausgeholt hat. Diese neue geopolitische Entwicklung ist zweifellos bemerkenswert. Doch der Teufel steckt im Detail. Zunächst stellt sich die Frage, was Kim mit den „synchronen Schritten“ meint, die Amerika und Südkorea unternehmen müssten. Sollte er den Abzug der US-Soldaten aus Südkorea und Japan – insgesamt knapp 80.000 Kräfte – fordern, dürfte er hier an seine Grenzen stoßen. An der Truppenpräsenz der Amerikaner im Pazifik wird Trump kaum rütteln. Die neuen Hardliner in seinem Kabinett – Sicherheitsberater John Bolton und Außenminister Mike Pompeo – werden alles tun, um ihren Chef einzubremsen. Die zweite harte Nuss: Wäre Kim wirklich bereit, eine lückenlose internationale Überwachung seiner Nuklearanlagen zu erlauben, wie die Iraner dies im Atomabkommen akzeptiert haben? Auf vage Versprechen wird sich Trump nicht einlassen. Zumal bereits Kims Vater Kim Jong-il Anfang der 2000er-Jahre Zusagen über die Einstellung seines Kernwaffen-Programms gemacht hatte, heimlich aber seine Nuklear-Pläne weiterbetrieb. Die Ankündigungen der Gipfeltreffen zwischen Nordkorea und Südkorea sowie den USA klingen spektakulär. Die Gespräche bergen Chancen. Wird jedoch kein Durchbruch erzielt, ist die Enttäuschung groß. Es käme zu einer Verhärtung, die sehr wahrscheinlich in eine neue Eskalation münden würde. Das ist das Risiko an der Sache.

Quellenangaben

Textquelle:BERLINER MORGENPOST, übermittelt durch news aktuell
Quelle:https://www.presseportal.de/pm/53614/3903608
Newsroom:BERLINER MORGENPOST
Pressekontakt:BERLINER MORGENPOST

Telefon: 030/887277 – 878
bmcvd@morgenpost.de

Weitere interessante News

Kältehilfe für Obdachlose in Berlin wird verlängert Berlin (ots) - Die Kältehilfe für obdachose Menschen wird bis Ende April dieses Jahres verlängert. "Die Kältehilfe wird fortgeführt, weil die obdachlosen Menschen bei den kalten Temperaturen weiter Unterstützung benötigen", sagte Regina Kneiding, die Sprecherin der Verwaltung von Sozialsenatorin Elke Breitenbach (LINKE), der in Berlin erscheinenden Tageszeitung "neues deutschland" (Freitagsausgabe). Die von den Berliner Bezirken zur Verfügung gestellten Notunterkünfte sollen mit 500 Plätzen bis ...
Russland vergiftet die Weltpolitik Düsseldorf (ots) - Wer hätte noch vor wenigen Jahren geglaubt, dass man wieder regelmäßig über Opfer von chemischen Kampfstoffen lesen würde? Doch nun ist das geächtete Teufelszeug wieder da, und verantwortlich dafür ist vor allem Russland. In Syrien hat es dafür gesorgt, dass Diktator Baschar al Assad seine Landsleute vergasen kann, ohne Konsequenzen fürchten zu müssen, obwohl ein UN-Rapport 2017 für den Großteil der bis dahin dokumentierten 85 C-Waffen-Einsätze eindeutig die syrische Armee ver...
„Ausländer rein?“: ZDFzoom über den Streit ums Einwanderungsgesetz Mainz (ots) - Deutschland hat ein Fachkräfteproblem. Abhilfe sollen Einwanderer schaffen, darin sind sich die Koalitionsparteien einig. Doch darüber, wie der Zuzug geregelt werden soll, herrscht Streit. Am Mittwoch, 4. April 2018, 22.45 Uhr, beleuchtet "ZDFzoom" in "Ausländer rein? - Der Streit ums Einwanderungsgesetz" die aktuelle Debatte. Denn im Koalitionsvertrag stehen unter der Überschrift "Erwerbs-Migration" kaum mehr als Absichtserklärungen. Nun soll ein "Regelwerk zur Steuerung von Zuwan...

Über Presseportal.de

presseportal.de - Die große Online-Datenbank für Presseinformationen in Text, Bild, Audio und Video. Pressemitteilungen und Pressematerial zu sehr vielen verschiedenen Themen. Ein Service von news aktuell aus der dpa-Firmengruppe.

© Copyright 2017. IT Journal.