Börsenriese schlägt zu, Kommentar zur CME Group von Christopher Kalbhenn

29. März 2018
Börsenriese schlägt zu,
Kommentar zur CME Group von Christopher Kalbhenn

Frankfurt (ots) – Mit Macht meldet sich die Chicagoer CME Group, weltweit die Nummer 1 des börslichen Derivatehandels, in der britischen Hauptstadt zurück. Nur wenige Monate, nachdem es seine Londoner Töchter CME Europe und CME Clearing Europe geschlossen hat, legt das Unternehmen nun ein 5,5 Mrd. Dollar schweres Gebot für den britischen Handelsplattformenbetreiber Nex vor.

Kommt die Übernahme zustande, werden sich für den globalen Anleihe- und Derivatehandel bedeutende Veränderungen ergeben. Die CME Group ist Weltmarktführer im börslichen Handel von Anleihe- und Devisenderivaten und greift mit der ehemals unter dem Namen Icap bekannten Nex nach dem Betreiber der führenden Anleihe- und Devisen-Kassahandelsplattformen Brokertec und EBS. Angedacht ist ein Komplettangebot von Termin- und Kassa- sowie von börslichem und außerbörslichem Handel aus einer Hand. Davon sollen die Marktteilnehmer in Form niedrigerer Handelskosten und eines besseren Risikomanagements profitieren.

Die geplante Transaktion stellt den vorläufigen Höhepunkt eines veränderten M&A-Trends in der Börsenbranche dar. Im Vordergrund stehen weniger als früher Übernahmen anderer Börsenbetreiber. Vielmehr kaufen die Börsenbetreiber Unternehmen, die ihnen eine Diversifizierung ermöglichen, sei es in Form neuer Asset-Klassen und Instrumente im Handelsgeschäft oder auch in Form völlig neuer Geschäftsfelder.

Die bislang größte Transaktion dieser Welle war die Übernahme der Interactive Data Corporation für 5,2 Mrd. Dollar durch den CME-Erzrivalen Intercontinental Exchange (ICE) im Jahr 2015. Noch ist die geplante Übernahme nicht in trockenen Tüchern. Es wird spekuliert, dass ein anderer Börsenbetreiber noch mit einem Gegengebot den Hut in den Ring werfen könnte. „Favorit“ der Mutmaßungen ist wenig verwunderlich die ICE.

Auch für die Deutsche Börse hat die geplante Übernahme Implikationen. Nach wie vor wird spekuliert, dass die CME mit einem Gebot aufwarten könnte. Dies ist nun deutlich weniger wahrscheinlich geworden, und zwar nicht nur, weil die CME Group auf absehbare Zeit vollauf mit der Integration der Nex beschäftigt sein wird. Bereits das Nex-Gebot droht bei den Kartellbehörden auf Vorbehalte wegen einer potenziell zu dominanten Stellung im Anleihegeschäft zu stoßen. Würde die CME Group mit der Deutsche-Börse-Tochter Eurex auch noch nach der führenden Euro-Anleihe-Derivate-Plattform greifen, würden die Wettbewerbshüter wohl kaum stillhalten.

Quellenangaben

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