Im Bann des Handelsstreits, Marktkommentar von Christopher Kalbhenn

6. April 2018
Im Bann des Handelsstreits,
Marktkommentar von Christopher Kalbhenn

Frankfurt (ots) – Eine klassische „Börsenweisheit“ besagt, dass politische Börsen kurze Beine haben. Sie beschreibt das sehr häufig zu beobachtende Phänomen, dass irritierende politische Ereignisse durchaus heftige Kursreaktionen auslösen können, die aber in der Regel sehr schnell verfliegen, so dass die Marktteilnehmer recht schnell wieder zur Tagesordnung übergehen können. In der abgelaufenen Woche ist jedoch die Hoffnung, dass den vom US-Präsidenten Donald Trump angezettelten Handelskonflikt das gleiche Schicksal ereilen könnte, zunächst enttäuscht worden. Nachdem versöhnliche Signale im Streit zwischen den Vereinigten Staaten und China am Donnerstag zu einer kräftigen Erholung an den Aktienmärkten geführt hatten, folgte am Freitag die Ernüchterung, nachdem Trump angedroht hatte, das Volumen der Strafzölle auf chinesische Einfuhren von 50 Mrd. auf 150 Mrd. Dollar hochzuschrauben.

Seit Wochen befindet sich der Dax in einer Bodenbildungsphase, und sie kann erst dann abgeschlossen werden, wenn absehbar wird, dass es letztlich nicht zu einem für die Weltwirtschaft und insbesondere für die stark exportorientierte deutsche Wirtschaft verheerenden Handelskrieg kommen wird. Werden rein rationale Erwägungen zugrunde gelegt, spricht eigentlich alles dafür, dass es nicht dazu kommen wird, womit auch der Weg für eine positive Entwicklung frei würde.

Die Fakten zeigen eindeutig, dass gerade auch die USA kein Interesse daran haben können, den Streit mit China allzu stark eskalieren zu lassen. Das Bankhaus M.M. Warburg empfiehlt Trump einen volkswirtschaftlichen Nachhilfekurs und verweist auf einige lästige Fakten. Handelsbilanzen seien das Ergebnis vieler Einflussfaktoren. In den USA sei die Sparquote in Relation zu den Investitionen viel zu niedrig. „Wären die USA eine geschlossene Volkswirtschaft, gäbe es hier eine erhebliche Finanzierungslücke.“ Diese werde seit Jahren durch Kapitalimporte der USA geschlossen, die zu einem nicht unerheblichen Teil von China bereitgestellt würden.

Rein saldenmechanisch gingen mit den Kapitalimporten der USA jedoch immer auch Defizite in der Handelsbilanz einher. Hier liege das Problem: Durch die Verschuldungspolitik der US-Regierung seien die USA in den kommenden Jahren auf weiter steigende Kapitalimporte angewiesen, und diese Kapitalimporte würden mit weiter steigenden Handelsbilanzdefiziten einhergehen, obwohl Trump gerade diese bekämpfen wolle. „Vielleicht sollte sich der US-Präsident diese Zusammenhänge erklären lassen, bevor er den Handelskrieg noch weiter verschärft.“ China verfügt somit über einen langen Hebel, der sehr leicht einzusetzen wäre. Mit der Fed, die mittlerweile ihre Wertpapierbestände reduziert, ist ein großer Käufer vom Treasury-Markt verschwunden. China braucht sich in US-Staatsanleiheauktionen nur etwas zurückhaltender zu zeigen, um einen empfindlichen Renditeanstieg auszulösen.

Wahrscheinlich wissen das die Berater (die noch im Weißen Haus sind) und hoffentlich auch Trump. Möglicherweise haben daher diejenigen Recht, die Trump eine Art Pokerspiel unterstellen, in dem zunächst sehr ambitionierte Forderungen auf den Tisch geblättert werden, um dann in anschließenden Verhandlungen möglichst viel herauszuholen.

Aus Sicht der Aktienmärkte droht der Konflikt jedoch ein Problem zu werden, das zumindest nicht so schnell verschwinden wird. So tut man Trump wahrscheinlich Unrecht, wenn man ihm ein allzu hohes Maß an Rationalität und Interesse an Fakten unterstellt, von diplomatischer Rücksichtnahme ganz zu schweigen. Der US-Präsident bleibt unberechenbar und könnte in nächster Zeit durchaus noch die eine oder andere Börsenschwäche herbeitwittern.

Nicht zuletzt muss er seinen alles andere als berauschenden Track Record aufpolieren bzw. irgendwelche Erfolge produzieren. Im November finden die Zwischenwahlen statt, und angesichts der tief im Keller verharrenden Popularitätswerte des Präsidenten droht seiner Partei im November der Verlust der Mehrheit im Repräsentantenhaus, was Trumps Gestaltungsmöglichkeiten für die Zeit bis zur nächsten Präsidentschaftswahl arg beschneiden würde. Chinas starker Mann, Präsident Xi Jinping, wiederum wird kaum ein Interesse daran haben, klein beizugeben und dadurch Schwäche zu zeigen. Im besten Fall kann daher auf langwierige und komplizierte Verhandlungen gehofft werden, was nichts anderes bedeutet, als dass das lästige Thema dem Aktienmarkt wohl noch eine Zeit lang erhalten bleiben wird.

Quellenangaben

Textquelle:Börsen-Zeitung, übermittelt durch news aktuell
Quelle:https://www.presseportal.de/pm/30377/3910006
Newsroom:Börsen-Zeitung
Pressekontakt:Börsen-Zeitung
Redaktion

Telefon: 069–2732-0
www.boersen-zeitung.de

Weitere interessante News

Damit Bio wirklich Bio bleibt Straubing (ots) - In dieser Konsequenz macht die EU gerade der Welt etwas vor, wenn es um die Qualität von Nahrungsmitteln aus ökologischer Landwirtschaft geht. Umso wichtiger erscheint es da, dass die Mitgliedstaaten das verordnete Kontrollnetz auch garantieren. Denn weitere Skandale um Bio-Produkte in Europa würden das Vertrauen der Verbraucher tief erschüttern.QuellenangabenTextquelle: Straubinger Tagblatt, übermittelt durch news aktuellQuelle: https://www.presseportal.de/pm/122668/3921556New...
Gold und Silber für ZDF beim New York TV- & Film-Festival Mainz (ots) - Zwei "ZDFzoom"-Dokumentationen, eine ZDFinfo-Dokumentation, der ZDF-Mehrteiler "Honigfrauen" und zwei Projekte des ZDF-Marketing wurden am Dienstag, 10. April 2018, auf der in Las Vegas ausgerichteten Gala des New York TV- und Film-Festivals ausgezeichnet. Die Gold World Medal in der Kategorie politische Dokumentationen erhielt die "ZDFzoom"-Dokumentation "Gefährliche Verbindungen - Trump und seine Geschäftspartner" (ZDF-Erstausstrahlung: 24. Mai 2017). Die Autoren Johannes Hano un...
Pluspunkte, Kommentar zu Adidas von Joachim Herr Frankfurt (ots) - Kasper Rorsted weiß, was Aktionäre wünschen. Seit Oktober 2016 ist der Däne Vorstandsvorsitzender von Adidas - und bisher erfüllt er die Erwartungen der Anteilseigner. An erster Stelle ist mit seinem Namen und seiner Empfehlung als ehemaliger Konzernchef von Henkel das Ziel verbunden, die Profitabilität des Sportartikelkonzerns zu steigern. Und Rorsted liefert: Die operative Marge stieg im vergangenen Jahr auf 9,8%. Nur 2008 war das Unternehmen noch einen Tick besser. Rorsted n...
WirtschaftVerkehr Landesrechnungshof prüft Bahn-Verträge Halle (ots) - Nach dem Erlass von Strafzahlungen für Zugbetreiber in Sachsen-Anhalt will der Landesrechnungshof der landeseigenen Nahverkehrsgesellschaft Nasa auf die Finger schauen. Die Behörde wolle die Verkehrsverträge, die die Nasa mit verschiedenen Bahnunternehmen geschlossen hat, auf Wirtschaftlichkeit überprüfen, berichtete die Mitteldeutsche Zeitung (Mittwochausgabe). Ein Sprecher nannte die Strafzahlungen dabei ausdrücklich als einen Aspekt. Die Nasa hatte den Zugbetreibern DB Regio, Ab...
Forschungsgipfel 2018: Bundesforschungsministerin Karliczek kündigt Innovationsagentur … Berlin (ots) - Bundesforschungsministerin Anja Karliczek kündigte auf dem Forschungsgipfel 2018 die Gründung einer Innovationsagentur für Sprunginnovationen an, die mit außergewöhnlichen Freiheitsgraden ausgestattet sein soll. In Berlin tauschen sich heute Spitzenvertreter von Wirtschaft, Wissenschaft und Politik aus, wie sie den Innovationsstandort Deutschland gemeinsam voranbringen können. "Wir brauchen Innovationen die das Potenzial haben, neue Märkte zu schaffen", erklärte Bundesforschungsmi...
Neuer Tarifvertrag für Beschäftigte im öffentlichen Dienst Berlin (ots) - Der Deutsche BundeswehrVerband nimmt das Ergebnis der Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst für Bund und Kommunen mit Zustimmung zur Kenntnis. Die beiden zuständigen Bundesvorstandsmitglieder Klaus Scharf und Oberstleutnant i.G. Dr. Detlef Buch: "Wir begrüßen die Einigung, da davon auch die Menschen der Bundeswehr profitieren!" Arbeitgeber und Gewerkschaften haben sich darauf verständigt, die Bezüge in drei Stufen anzuheben: Im Schnitt soll es rückwirkend zum 1. März 2018 3,19...
Terminic-Geschäftsführer Wolfgang Rolla du Rosey ist „Drucker des Jahres“ Düsseldorf (ots) - Wolfgang Rolla du Rosey ist "Drucker des Jahres". Der Geschäftsführer der auf Kalender spezialisierten Druckerei Terminic in Bremen wurde von den Leserinnen und Lesern des Branchenmagazins "Druck & Medien" auf Platz 1 gesetzt. Sie hoben vor allem seinen fairen Führungsstil, die Beständigkeit und die Tiefe des persönlichen Kontakts hervor. "Hohe Qualität der Produkte, innovatives Denken, Beständigkeit eines Traditionsproduktes", "Herr Rolla du Rosey verkörpert sein Unterneh...
Achleitner muss gehen Düsseldorf (ots) - Ob Christian Sewing der richtige Chef für die Deutsche Bank ist, lässt sich nach zwei Tagen nicht beantworten. Die Art und Weise jedoch, wie der Stellvertreter John Cryans dessen Nachfolger wurde, kann man jetzt schon bewerten: Die Bank leidet unter massiver Führungsschwäche. Das gilt auch für Aufsichtsratschef Paul Achleitner. Sewing mag so gut sein, wie er will - Achleitner und Co. haben sein Standing massiv beschädigt. Ihn als Stellvertreter zu installieren und dann doch e...
Bayer-Aufsichtsratschef kritisiert FDP wegen Jamaika-Aus – „absolute Fehlentscheidung“ Düsseldorf (ots) - Der Aufsichtsratschef von Bayer, Werner Wenning, kritisiert die FDP für das Jamaika-Aus. "Es war eine absolute Fehlentscheidung der FDP, die Koalition platzen zu lassen - und zwar von der Art und vom Inhalt her. Ich stehe niemals als Erster auf, das ist ein altes Verhandlungsprinzip. Und viele erste Pläne hörten sich durchaus vernünftig an", sagte Wenning der in Düsseldorf erscheinenden "Rheinischen Post" (Samstagausgabe). Er verstehe FDP-Chef Christian Linder nicht: "Ich vers...
Kommentar zum Export-Rekord Hagen (ots) - Es ist beinahe schon unheimlich, wie positiv die Konjunktur seit Jahren verläuft. Die deutsche Wirtschaft verbuchte 2017 beim Export erneut ein Rekordjahr. Die Faustregel, dass Zyklen ungefähr sieben Jahre dauern, gilt für viele Branchen längst nicht mehr. Für 2018 rechnen viele noch einmal mit einer Steigerung, wohl wissend, dass der Boom keine unendliche Geschichte sein kann. Die Frage ist, wie lange läuft die Maschinerie noch auf Hochtouren? Dies wird auch davon abhängen, wie l...

Über Presseportal.de

presseportal.de - Die große Online-Datenbank für Presseinformationen in Text, Bild, Audio und Video. Pressemitteilungen und Pressematerial zu sehr vielen verschiedenen Themen. Ein Service von news aktuell aus der dpa-Firmengruppe.

© Copyright 2017. IT Journal.