Kommentar zur Klausur der Großen Koalition in Meseberg: Therapiegruppe

11. April 2018
Kommentar zur Klausur der Großen Koalition in Meseberg: Therapiegruppe

Berlin (ots) – Die Große Koalition gibt sich mit wenig zufrieden. Freilich, es geht ihr um Großes – um die Zukunft der Arbeit und um die Zukunft Europas und um die Zukunft der Großen Koalition auch. Aber die Leute, denen die letzte Große Koalition ihr schlechtes Wahlergebnis zu verdanken hatte, eine größere Große Koalition als jetzt – hatten diese Leute nicht die Botschaft hinterlassen, dass es so nicht weitergehen könne? Dass ihnen die über alle Köpfe hinweg erfolgreiche, selbstverliebte und im Grunde nicht mehr nach politischen Zielen unterscheidbare Bundesregierung nicht mehr recht geheuer war?

Wir haben verstanden! So lautete das Reuebekenntnis aller Beteiligten. Und nun geht es trotzdem weiter wie bisher. Auch wenn die Koalitionsakteure da einen Berg Arbeit vor sich aufgetürmt haben, auf dessen Gipfel sie ein zufriedenes, vollbeschäftigtes und um eine schwarze Null tanzendes Volk projizieren, ist doch zu ahnen, dass sie die Verunsicherung der Leute noch immer nicht ernst nehmen. Es ist klar zu erkennen, wo Vertrauen, wo Gerechtigkeit- und Sicherheitsgefühl aus dem Lot sind, wo also die größten Erwartungen an die Bundesregierung liegen. Und auch, wenn hier jeder Wähler etwas anderes als dringlich empfinden mag: Der Dieselskandal zeigt, dass nach Meseberg alles so ist wie vor Meseberg. Keine Richtungsentscheidung, der zuständige Minister mauert, die Autokonzerne werden gehätschelt. Der einzige Unterschied könnte sein, dass nach der Therapie in Meseberg nun keiner mehr hysterisch reagiert, sondern alle ruhig bleiben.

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