Wie Audi die Autos in Raumschiffe verwandelt

9. Januar 2019
Wie Audi die Autos in Raumschiffe verwandelt

Im Auto auf der Rückbank zu sitzen und die Landschaft vorbeifliegen zu sehen, kann auf Dauer sehr langweilig sein. Audi will das jetzt ändern und die Beifahrer auf eine virtuelle Reise schicken. Das funktioniert mit der Hilfe einer VR-Brille, mit der die Beifahrer in Fantasiewelten eintauchen können, die sich den Bewegungen des Autos anpassen. Aber Vorsicht, die virtuellen Reisen sind nicht für jeden gleichermaßen geeignet. Es gehören schon gute Nerven und eine Portion Mut dazu, plötzlich im Weltraum zu schweben.

Unendliche Weiten

Wenn der Audi beschleunigt, taucht vor den Augen des Beifahrers, der die VR-Brille trägt, plötzlich ein riesiger Asteroid auf. Er ist nur einer von vielen grauen Felsbrocken, die langsam und träge durch das Weltall treiben. Neben den Asteroiden sind da aber auch Raumschiffe, die zwischen den Steinen hin- und her gleiten, wobei sie elegante Kurven fliegen. Beim Blick nach unten taucht ein fremder Planet als ferne geheimnisvolle Welt auf. Der Beifahrer kehrt erst in seine vertraute Umgebung zurück, wenn das Auto anhält und er die VR-Brille abnimmt. Es ist eine neue Technologie, die Audi jetzt auf einer Teststrecke bei Las Vegas im US-Bundesstaat Nevada präsentierte. Die VR-Brille ist mit dem Computer des Autos und dem Navigationssystem verbunden. Sie zeigt die fantastischen Welten in Echtzeit und die Bewegungen sind mit denen des Autos synchron. Einen Nutzen hat das neue System nicht, es ist nur dazu da, die Fahrgäste zu unterhalten, und das funktioniert hervorragend.

Das Ende der linearen Unterhaltung

Wer die Brille trägt, vergisst schnell, dass er eigentlich in einem Auto sitzt. Er erlebt die Fahrt intensiv mit, was die Beschleunigung, das Bremsen oder die Fahrt durch die Kurven angeht. Die VR-Brille suggeriert dem Träger, dass er in einem Raumschiff und nicht in einem Audi auf der Autobahn oder Landstraße unterwegs ist. Fährt der Audi eine Rechtskurve, dann fliegt auch das Raumschiff nach rechts. Drückt der Fahrer des Autos aufs Gaspedal, dann fliegen die Asteroiden ebenfalls in größerer Geschwindigkeit vorbei. Dieses Erlebnis ist nur in einem fahrenden Auto möglich, da zu Hause auf dem Sofa die Bewegungen fehlen. Die Fahrt mit der Achterbahn, die man ebenfalls mit einer VR-Brille virtuell erleben kann, entsteht durch programmierte Bewegungen, im Auto hingegen sind sie natürlich. Das bedeutet das Ende der linearen Unterhaltung.

Wie ein Film ohne Drehbuch

Das, was Audi jetzt auf den Markt bringen möchte, nennen Experten einen „elastischen Content“. Der Inhalt der virtuellen Reiseerlebnisse verläuft nicht starr nach der Handlung eines Films, er ist vielmehr immer von der Außenwelt abhängig. Bislang konnten VR-Brillen bestimmte Situationen nur simulieren, bei Audi läuft jedoch ein Film ohne Drehbuch. Derjenige, der die Brille trägt, weiß nie, was ihn in der nächsten Sekunde erwartet, denn er sieht nicht, was der Fahrer gerade macht.

Die neue Technologie soll nicht nur in den Autos von Audi zum Einsatz kommen. Der Konzern möchte seine Technik auch anderen Autoherstellern zur Verfügung stellen. Audi hat zudem ein eigenes Start-up ins Leben gerufen, das die neue Form der Unterhaltung auf einer offenen Plattform vermarkten soll. Es sind kreative Köpfe, die neue fantastische Welten erschaffen, die eine lange Autofahrt unterhaltsam machen.

Bild: @ depositphotos.com / Iurii

Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen.
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