Vollbremsung, Kommentar zu Schaeffler von Helmut Kipp

16. April 2018
Vollbremsung,
Kommentar zu Schaeffler von Helmut Kipp

Frankfurt (ots) – Das hatten sich die Finanzingenieure bei Schaeffler schön ausgedacht. Mit der Umwandlung von nicht börsennotierten Stamm- in gelistete Vorzugsaktien hätte sich die Eigentümerfamilie einen Weg geschaffen, um ohne Verlust an Einfluss Anteile verkaufen oder als Akquisitionswährung einsetzen zu können. Kein Wunder, dass solch ein Konzept so manchem Investor missfällt. Eine auf zwei Jahre verlängerte Haltefrist und eine Ausweitung des Dividendenaufschlags für Vorzugsaktionäre reichen da kaum aus, um kritische Gemüter wohlgesonnen zu stimmen.

Nun bleibt Konzernchef Klaus Rosenfeld und Großaktionär Georg Schaeffler nichts anderes als eine Vollbremsung. Sie verzichten auf ihre Umwandlungspläne. Das ist eine kluge Entscheidung. Zu peinlich wäre eine Abstimmungsniederlage auf der Hauptversammlung am kommenden Freitag gewesen. Solch eine Blamage hätte die Beziehungen zu wichtigen Investoren noch mehr strapaziert.

Das Argument, die Familie wolle sich mit der Umwandlung mehr Flexibilität verschaffen, geht letztlich ins Leere. Wäre das für den Konzern wirklich ein Aspekt von überragender Bedeutung, wäre es ein Leichtes gewesen, den erst zweieinhalb Jahre zurückliegenden Börsengang entsprechend zu strukturieren. Nun rächt sich, dass solche Erwägungen vor dem IPO nicht ausreichend berücksichtigt wurden.

Ohnehin mutet das ganze Umwandlungsprojekt reichlich antiquiert an. Quasi wie ein Relikt aus einer Zeit, als Aktionäre mehr als Geldgeber und weniger als Miteigentümer gesehen wurden. Schon seit langem sind stimmrechtslose Dividendentitel in Deutschland tendenziell auf dem Rückzug. So manches Unternehmen hat börsennotierte Vorzugsaktien in stimmberechtigte Papiere umgewandelt. Sie folgten dem Grundsatz „eine Aktie, eine Stimme“, den gerade angelsächsische Investoren vertreten, wohl wissend, dass diese Linie auch im Mutterland des Aktionärskapitalismus, den USA, längst nicht immer eingehalten wird – man denke nur an den Technologiesektor.

Die grundsätzliche Forderung nach Gleichberechtigung aller Aktionäre dürfte für den Widerstand gegen die Umwandlung von Schaeffler-Aktien ausschlaggebend gewesen sein. Kritiker können zwar mit den in Deutschland nach wie vor vertretenen stimmrechtlosen Papieren leben. Henkel und Volkswagen sind sogar mit Vorzügen im Dax präsent. Doch ein Wiedererstarken der ungeliebten Vorzugsaktien, wie es die Schaeffler-Pläne bedeutet hätte, geht vielen Investoren dann doch zu weit.

Quellenangaben

Textquelle:Börsen-Zeitung, übermittelt durch news aktuell
Quelle:https://www.presseportal.de/pm/30377/3918148
Newsroom:Börsen-Zeitung
Pressekontakt:Börsen-Zeitung
Redaktion

Telefon: 069–2732-0
www.boersen-zeitung.de

Weitere interessante News

Symposium des Bundespatentgerichts: „Die Unionsmarke im nationalen Recht – Risiken und … München (ots) - Das Bundespatentgericht veranstaltet am 19. April 2018 sein nunmehr 6. Internationales Symposium. Die Veranstaltung, zu der etwa 250 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus dem In- und Ausland, die als Richter, Anwälte und in der Wirtschaft mit dem Markenrecht befasst sind, erwartet werden, widmet sich in diesem Jahr den Risiken und Nebenwirkungen der Unionsmarke im nationalen Recht. Das Symposium soll das Verhältnis von europäischem und nationalem Markenrecht beleuchten und aufzeigen...
Trumps Irrweg in die Abschottung Straubing (ots) - Trumps Credo, er könne allein gegen alle - vor allem alleine ohne Freunde - sein Land wieder an die Weltspitze führen, bleibt eine Illusion. Weil der Weltmarkt kein Feind, sondern eine ständige Bewährungsprobe der eigene Wettbewerbsfähigkeit ist. Dieser Herausforderung müssen sich auch die Vereinigten Staaten stellen. Der frühere Führungsanspruch ist keine Selbstverständlichkeit mehr. Und die USA müssen sich beweisen, um zu wachsen - aber nicht abschotten.QuellenangabenTextquel...
Landwirtschaft in Sachsen-Anhalt Claudia Dalbert: Jeder zehnte Betrieb wirtschaftet … Halle (ots) - Langsam, aber stetig hat sich der Öko-Landbau in den vergangenen Jahren in Sachsen-Anhalt ausgeweitet. Aufgrund einer massiven Erhöhung der Förderung gab es 2017 jedoch einen Sprung. Das berichtet die in Halle erscheinende Mitteldeutsche Zeitung (Donnerstag-Ausgabe). Demnach nahm die Zahl der Bio-Betriebe nach vorläufigen Berechnungen um 14 Prozent auf 463 zu. Die bewirtschaftete Fläche erhöht sich auf 71 700 Hektar, ein Plus von 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. "Jeder zehnte ...
WDR Westpol: NRW-Landesregierung verbot Ex-Minister Duin Aufsichtsratsmandat Köln, 25. Februar 2018 (ots) - Der ehemalige NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin durfte einen geplanten Job nicht antreten. Wie die NRW-Staatskanzlei auf Westpol-Anfrage mitteilte, wollte der SPD-Politiker im Aufsichtsrat des Chemieunternehmens Rütgers Germany in Castrop-Rauxel tätig werden. Die Landesregierung hat ihm das jedoch für sechs Monate nach Ausscheiden aus dem Ministeramt untersagt. Mit ihrem Verbot sei die Landesregierung der Empfehlung der sogenannten Ministerehrenkommission gefolg...
Unter Zugzwang – Kommentar zu der nun eingefädelten Übernahme der XL Group durch den … Frankfurt (ots) - Er ist noch nicht mal seit zwei Jahren im Amt, doch Axa-Chef Thomas Buberl drückt dem französischen Versicherungskonzern mit der nun eingefädelten Übernahme der XL Group aus den USA nach den Plänen für den Börsengang der amerikanischen Aktivitäten ein weiteres Mal seinen Stempel auf. Der Zukauf passt zu seinen Plänen, den Konzern so umzubauen, dass er sich künftig stärker auf Produkte konzentriert, die eine hohe Expertise und regelmäßigen Kundenkontakt erfordern. Dadurch hofft ...
Düngeverstöße 2017 in NRW mit Bußgeldern von knapp einer halben Mio Euro geahndet Essen (ots) - Verstöße gegen Düngevorgaben und Dokumentationspflichten haben im Jahr 2017 NRW-weit zu Bußgeldern von insgesamt knapp einer halben Million Euro geführt. Kontrolleure der Landwirtschaftskammer - landläufig auch "Gülle-Polizei" genannt - forderten insgesamt 2519 Nährstoffvergleiche an, führten 1282 Kontrollen vor Ort durch und leiteten insgesamt 716 Verfahren ein. Diese Zahlen nannte Kammersprecher Bernhard Rüb gestern auf NRZ-Nachfrage. 476 Bußgelder wurden verhängt, sie summierten...
Bayer-Aufsichtsratschef kritisiert Boni der Deutschen Bank Düsseldorf (ots) - Bayer-Aufsichtsrats-Chef Werner Wenning kritisiert, dass die Deutsche Bank Boni trotz ihrer Verluste zahlt. "Bei Bayer haben wir ein anderes Vergütungssystem. Bei uns gilt: Geht es dem Unternehmen gut, geht es allen gut - vom Vorstandschef bis zum Pförtner. Laufen die Geschäfte schlechter, sinken die Prämien für alle. Das halte ich für vernünftig und fair", sagte er der in Düsseldorf erscheinenden "Rheinischen Post" (Samstagausgabe). Mit Blick auf Boni vor allem für Investment...
Kommentar zur nicht enden wollenden Krise bei Opel: Angst statt Innovation Berlin (ots) - Rette sich, wer kann, scheint die Devise vieler Opelaner zu sein. Schnell noch bei den angebotenen Abfindungen zugreifen, bevor womöglich die Kündigung droht. Die anfängliche Erleichterung nach der Übernahme durch den französischen Autokonzern PSA war rasch der Ernüchterung gewichen, mittlerweile herrschen wieder Verunsicherung und Zukunftsangst vor. Auch die neue Mutter scheint Opel vorrangig als Sanierungsfall anzusehen, nicht als Expansionskandidaten, der mit Investitionen vora...
Fair produzieren: „plan b“ im ZDF über „Gewinne ohne Gier“ Mainz (ots) - Nachhaltig produzieren und trotzdem Geld verdienen - wie geht das? "plan b" gibt am Samstag, 14. April 2018, 17.35 Uhr im ZDF, Einblicke in Unternehmen, die Vorreiter für nachhaltige und gerechte Produktion sind. In der Dokumentation "Gewinne ohne Gier - Wirtschaften mit Gewissen" werden Firmen mit alternativer Unternehmensphilosophie vorgestellt, die trotz vieler Widerstände am Markt bestehen können. Ein Start-up versucht, Smartphones von den Rohstoffen aus den Minen Afrikas bis z...
RWE winkt bei Steag-Kraftwerken ab Düsseldorf (ots) - Der RWE-Konzern hat sich erstmals öffentlich zu Spekulationen um einen Kauf von Kraftwerken des angeschlagenen Konkurrenten Steag geäußert. "Wir führen keine Gespräche mit der Steag über deren Kraftwerke", sagte eine RWE-Sprecherin auf Anfrage der in Düsseldorf erscheinenden "Rheinischen Post" (Freitagausgabe). Eigentlich äußert sich das Unternehmen nicht zu Spekulationen. Auf einer Pressekonferenz am Donnerstag hatte Steag-Chef Joachim Rumstadt noch Spekulationen zu einem Dea...

Über Presseportal.de

presseportal.de - Die große Online-Datenbank für Presseinformationen in Text, Bild, Audio und Video. Pressemitteilungen und Pressematerial zu sehr vielen verschiedenen Themen. Ein Service von news aktuell aus der dpa-Firmengruppe.

© Copyright 2017. IT Journal.